Nutzungskomfort digitaler Einkaufstechnologien und KI-Offenheit im stationären Einzelhandel: Die Rolle von Vertrauen
Kontext
Der stationäre Einzelhandel verändert sich durch die Digitalisierung grundlegend. Self-Checkout-Kassen und Scan-&-Go-Systeme gehören für viele Konsumierende längst zum Einkaufsalltag. KI-basierte Anwendungen wie kassenlose Stores oder personalisierte Empfehlungen stehen dagegen erst am Anfang ihrer Verbreitung. Während klassische digitale Technologien aktiv steuerbar und nachvollziehbar sind, treffen KI-Systeme Entscheidungen, deren Logik für Konsumierende oft intransparent bleibt – was höhere Anforderungen an das Vertrauen stellt. Bislang ist kaum untersucht, ob und wie Erfahrungen mit bestehenden digitalen Einkaufstechnologien mit der Offenheit gegenüber KI zusammenhängen.
Zielsetzung und Forschungsfrage
Ziel der Arbeit ist es, den Zusammenhang zwischen wahrgenommenem Nutzungskomfort, Vertrauen in KI-Systeme und Offenheit gegenüber KI-Anwendungen zu untersuchen. Im Zentrum steht die Frage, ob positive Erfahrungen mit vertrauten Technologien auf die Bewertung neuerer KI-Systeme ausstrahlen – und welcher Mechanismus dies erklärt:
Inwiefern hängt der wahrgenommene Nutzungskomfort digitaler Einkaufstechnologien mit der Offenheit gegenüber KI-Anwendungen im stationären Einzelhandel zusammen und welche Rolle spielt dabei Vertrauen in KI-Systeme?
Methodik
· Quantitatives, querschnittliches Untersuchungsdesign mit standardisierter Online-Befragung
· Stichprobe von N = 174 Konsumierenden mit Nutzungserfahrung digitaler Einkaufstechnologien
· Erfassung der drei Konstrukte über literaturbasierte Multi-Item-Skalen (siebenstufige Likert-Skala)
· Mediationsanalyse nach PROCESS Model 4 (Hayes, 2018) mit Bootstrap-Verfahren und Vertrauen als vermittelnder Variable
Zentrale Ergebnisse
· Höherer Nutzungskomfort hängt positiv mit Vertrauen in KI-Systeme zusammen (H1 gestützt)
· Vertrauen hängt stark mit KI-Offenheit zusammen und ist der stärkste Effekt im Modell (H2 gestützt)
· Vertrauen vermittelt den Zusammenhang signifikant – partielle Mediation (H3 gestützt)
· Das Gesamtmodell erklärt 54.86 % der Varianz der KI-Offenheit
· Qualitative Antworten zeigen: Datenschutzbedenken, Sorge um Arbeitsplätze und der Wunsch nach menschlichem Kontakt bremsen die Offenheit trotz hohem Komfort
Fazit und Beitrag
Vertrauen erweist sich als zentrale Brücke zwischen vertrauten digitalen Technologien und neueren KI-Systemen. Der Weg zu mehr KI-Akzeptanz beginnt damit nicht bei der Technologie selbst, sondern bei den Menschen und ihren bisherigen Erfahrungen. Konkret heisst das für die Praxis:
· Vertrauen aktiv aufbauen statt KI nur technisch einführen
· Transparent kommunizieren, welche Daten genutzt werden und welchen Nutzen KI bringt
· KI an bereits vertraute, gut funktionierende Einkaufserlebnisse anschliessen
Wissenschaftlich verbindet die Arbeit zwei bisher getrennte Forschungsstränge und weist Nutzungskomfort und Vertrauen als verbindende Konstrukte empirisch nach.