Zwischen Gemeinwohl und Wirtschaftlichkeit - Wie Schweizer Freibäder mit finanziellen Herausforderungen umgehen und zusätzliche Nutzungsoptionen entwickeln

Zwischen Gemeinwohl und Wirtschaftlichkeit - Wie Schweizer Freibäder mit finanziellen Herausforderungen umgehen  und zusätzliche Nutzungsoptionen entwickeln

Wer kennt es nicht: der Sprung ins kühle Nass an einem heissen Sommertag im örtlichen Freibad. Was viele nicht wissen: Die meisten Schweizer Freibäder schreiben rote Zahlen. Trotzdem gelten sie in ihren Gemeinden oft als unverzichtbar. Genau dieses Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Nutzen und wirtschaftlicher Tragbarkeit stand im Zentrum meiner Bachelorarbeit.

In Zusammenarbeit mit der Regio Badi Sense in Laupen habe ich untersucht, wie öffentliche Freibäder in der Schweiz mit finanziellen Herausforderungen umgehen und welche zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten sie entwickeln, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Dazu habe ich acht leitfadengestützte Interviews mit Verantwortlichen verschiedener Badis geführt und diese mittels thematischer Analyse nach Braun und Clarke ausgewertet.

Ein zentrales Ergebnis: Defizite werden in der Praxis nicht als Scheitern wahrgenommen, sondern als strukturelle Normalität akzeptiert. Der Wert eines Freibads bemisst sich für die Verantwortlichen nicht an der Kostendeckung, sondern an seiner sozialen Funktion, sei es als Treffpunkt, als niederschwelliges Freizeitangebot oder als Teil der öffentlichen Grundversorgung. Theoretisch lässt sich das mit Konzepten wie Public Value, meritorischen Gütern und Daseinsvorsorge fassen, drei Perspektiven, die dieselbe Beobachtung aus Management-, wirtschafts- und staatstheoretischer Sicht beleuchten.

Spannend war auch der Blick auf zusätzliche Angebote wie Saunen, Events oder Gastronomie: Diese werden von den Badis primär mit dem Ziel eingeführt, den gesellschaftlichen Nutzen zu erhöhen, nicht in erster Linie, um Einnahmen zu generieren. Überraschend war zudem, dass operative Mitarbeitende, insbesondere Badmeisterinnen und Badmeister, häufig als treibende Kraft hinter Innovationen auftreten und nicht primär die strategische Führungsebene.

Meine Arbeit zeigt ausserdem, wie wichtig eine frühzeitige Einbindung verschiedener Anspruchsgruppen ist, damit Entscheidungen rund um die Weiterentwicklung eines Bads auf Akzeptanz stossen. Da es sich um eine qualitative, explorative Studie handelt, verstehen sich die Ergebnisse als Tendenzen und nicht als allgemeingültige Aussagen für alle Schweizer Freibäder.