BBA / Nachhaltigkeitsorientierung in Unternehmen am Beispiel von Pflegezentren: Beweggründe für ökonomische, ökologische und soziale Entscheidungen
Pflegezentren stehen vor wachsenden Anforderungen: Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und zunehmende gesellschaftliche Erwartungen an nachhaltiges Wirtschaften treffen auf ein reguliertes Tarifsystem, das den finanziellen Handlungsspielraum der Einrichtungen erheblich einengt. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Bachelorarbeit, welche Beweggründe nachhaltigkeitsorientierte Entscheidungen in Pflegezentren beeinflussen und wie ökonomische, ökologische und soziale Aspekte dabei abgewogen oder miteinander verbunden werden. Die Untersuchung basiert auf neun leitfadengestützten Interviews mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in Pflegezentren der Kantone Bern und Luzern. Die Stichprobe umfasst Einrichtungen unterschiedlicher Rechtsformen, Grössen und Trägerschaften und deckt damit die strukturelle Vielfalt der Branche bewusst ab. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) in einem kombinierten deduktiv-induktiven Verfahren, gestützt auf drei theoretischen Rahmen: das Drei Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, das Konzept der Corporate Social Responsibility sowie die Institutionstheorie. Die Ergebnisse zeigen, dass nachhaltigkeitsorientierte Entscheidungen in Pflegezentren nicht aus einer einzigen Logik entstehen, sondern im Zusammenspiel dreier überlagernder Antriebskräfte: institutionellem Druck, ökonomischer Rationalität und persönlicher Wertorientierung. Die ökonomische Dimension wirkt als dominante Rahmenbedingung. Ökologische Investitionen werden fast ausschliesslich dann umgesetzt, wenn sie sich wirtschaftlich rechtfertigen lassen oder eine Führungspersönlichkeit aus intrinsischer Überzeugung handelt. Die soziale Dimension ist durch den gesetzlichen Versorgungsauftrag strukturell verankert, wird aber von den Einrichtungen kaum als Teil einer aktiven Nachhaltigkeitsstrategie wahrgenommen. Ökologische Massnahmen hingegen bleiben weitgehend freiwillig und stark von individueller Initiative abhängig. Drei induktive Befunde gehen über die Grundlagentheorien hinaus: Erstens ist nicht die Rechtsform, sondern die Gewinnpflicht und die Qualität des Aufsichtsgremiums der entscheidende Faktor für Nachhaltigkeitsengagement. Zweitens illustriert das Beispiel anhand des Fleischkonsums, wie tief verankerte gesellschaftliche Prägungen ökologische Steuerungsversuche unterlaufen. Drittens zeigt die zufällige Institutionalisierung am Beispiel eines Verbundes, dass nachhaltiger Wandel nicht zwingend strategisch geplant sein muss, sondern durch situative Impulse ausgelöst werden kann. Für die Praxis ergeben sich konkrete Handlungsempfehlungen. Pflegezentren sollten Nachhaltigkeitskompetenz als explizites Kriterium bei der Rekrutierung von Führungspersonen und Gremiumsmitgliedern verankern. Branchenverbände wie CURAVIVA sind aufgefordert, verbindlichere Nachhaltigkeitsstandards zu entwickeln. Auf politischer Ebene braucht es eine Überprüfung der Tarifstruktur sowie gezielte Förderprogramme für ökologische Investitionen in der Langzeitpflege.