Gesundheit am Arbeitsplatz: Menopause als Thema der Führungskräfte

Gesundheit am Arbeitsplatz: Menopause als Thema der Führungskräfte
Die Menopause ist nicht nur eine private Lebensphase, sondern kann auch im Arbeitskontext relevant werden. Da immer mehr Frauen länger erwerbstätig bleiben, gewinnt der Umgang mit menopausalen Veränderungen für Unternehmen, Führungskräfte und das Betriebliche Gesundheitsmanagement zunehmend an Bedeutung

Ausgangslage und Problemstellung

Menopausale Veränderungen können mit Symptomen wie Schlafstörungen, Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder Hitzewallungen verbunden sein und dadurch Wohlbefinden sowie Arbeitsfähigkeit beeinflussen. Gleichzeitig wird die Menopause in vielen Organisationen weiterhin wenig thematisiert. Obwohl zahlreiche Frauen von Beschwerden betroffen sind, wird das Thema häufig als privat wahrgenommen und selten offen angesprochen. Daraus entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis nach Unterstützung und der geringen organisationalen Sichtbarkeit des Themas. Führungskräfte nehmen dabei eine zentrale Rolle ein, da sie den Arbeitsalltag gestalten und den Umgang mit gesundheitsbezogenen Themen wesentlich beeinflussen.

Zielsetzung

Ziel der Bachelorarbeit war es zu untersuchen, wie Führungskräfte in Schweizer Versicherungsunternehmen mit bestehendem Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) menopausale Veränderungen von Mitarbeiterinnen wahrnehmen und wie sie im Führungsalltag damit umgehen.

Forschungsfrage:

Wie nehmen Führungskräfte in Schweizer Versicherungsunternehmen mit bestehendem Betrieblichen Gesundheitsmanagement menopausale Veränderungen von Mitarbeiterinnen wahr und wie gestalten sie ihren Umgang damit im Führungsalltag unter Berücksichtigung vorhandener betrieblicher Unterstützungsangebote und Rahmenbedingungen?

Methodik

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Die Datenerhebung erfolgte mittels leitfadengestützter Interviews mit acht Führungskräften aus Schweizer Versicherungsunternehmen. Die befragten Personen verfügten über unterschiedliche Führungsfunktionen, Teamgrössen und Führungserfahrungen, wodurch verschiedene Perspektiven auf den Umgang mit menopausalen Veränderungen berücksichtigt werden konnten. Die Interviews wurden transkribiert und anschliessend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring und Fenzl ausgewertet. Ziel war es, wiederkehrende Muster, Wahrnehmungen und Handlungsmuster der Führungskräfte systematisch herauszuarbeiten.

Ergebnisse

Die Untersuchung zeigt, dass die Menopause im Arbeitsalltag der untersuchten Unternehmen bislang nur begrenzt sichtbar ist. Führungskräfte berichten von wenigen direkten Berührungspunkten und ordnen wahrgenommene Veränderungen häufig nicht eindeutig menopausalen Beschwerden zu. Gleichzeitig zeigen sie eine hohe Bereitschaft, betroffene Mitarbeiterinnen zu unterstützen. Der Umgang ist vor allem durch Empathie, Verständnis und individuelle Lösungen geprägt. Unterstützungsangebote wie flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice werden genutzt, erfolgen jedoch meist situationsabhängig. Zudem wurde deutlich, dass die Menopause trotz vorhandener BGM- und HR-Strukturen bislang nur selten als eigenständiges Gesundheitsthema berücksichtigt wird.

Handlungsempfehlungen

Auf Grundlage der Ergebnisse wurde ein Modell mit vier Handlungsebenen entwickelt. Im Zentrum steht zunächst die Sensibilisierung und Sichtbarmachung des Themas, um bestehende Tabuisierungen abzubauen. Darauf aufbauend sollen Führungskräfte durch Schulungen und Informationsangebote in ihrer Handlungssicherheit gestärkt werden. Eine weitere Ebene betrifft die Unterstützung im Führungsalltag durch individuelle und flexible Lösungen für betroffene Mitarbeiterinnen. Langfristig sollte die Menopause stärker in bestehende Gesundheits-, Personal- und Führungsstrukturen integriert werden, damit sie als Teil einer lebensphasenorientierten Personal- und Gesundheitsstrategie verstanden wird. Ein bewusster Umgang mit menopausalen Veränderungen kann dazu beitragen, Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Mitarbeiterbindung langfristig zu fördern und wertvolles Erfahrungswissen im Unternehmen zu erhalten.