Wie beeinflusst die Digitalisierung die Kompetenzanforderungen an Fachkräfte im Rechnungswesen aus der Sicht von Unternehmen?
Die Digitalisierung verändert das Rechnungswesen grundlegend. Automatisierte Prozesse, ERP-Systeme, Cloud-Lösungen und künstliche Intelligenz übernehmen zunehmend repetitive Tätigkeiten, die früher manuell ausgeführt wurden. Dadurch verändern sich nicht nur Arbeitsabläufe, sondern auch die Anforderungen an Fachkräfte im Rechnungswesen.
Während klassische Aufgaben wie die Verarbeitung von Belegen oder die Verbuchung von Geschäftsvorfällen zunehmend automatisiert werden, gewinnen analytische, koordinierende und beratende Tätigkeiten an Bedeutung. Unternehmen erwarten heute von Mitarbeitenden nicht mehr ausschliesslich fundiertes Fachwissen im Rechnungswesen, sondern zunehmend auch digitale Kompetenzen, Datenanalysefähigkeiten sowie ein vertieftes Verständnis von Prozessen und Systemen.
Vor diesem Hintergrund untersucht die Bachelorarbeit, wie die Digitalisierung die Kompetenzanforderungen an Fachkräfte im Rechnungswesen aus Sicht von Unternehmen in der deutschsprachigen Schweiz beeinflusst. Ziel war es, aktuelle und zukünftige Kompetenzanforderungen zu identifizieren und daraus praxisorientierte Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Fachkräfte abzuleiten.
Methode
Die Arbeit basiert auf einem qualitativen Forschungsdesign. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden neben einer umfassenden Literaturanalyse acht leitfadengestützte Interviews durchgeführt. Befragt wurden Fach- und Führungskräfte aus dem Rechnungswesen sowie HR-Verantwortliche aus kleinen, mittleren und grossen Unternehmen der deutschsprachigen Schweiz.
Die Interviews wurden anschliessend mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Dadurch konnten unterschiedliche Perspektiven auf die Digitalisierung sowie deren Auswirkungen auf Kompetenzanforderungen systematisch erfasst und verglichen werden.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Berufsbild im Rechnungswesen zunehmend von einer operativen hin zu einer analytischen und beratenden Funktion entwickelt. Obwohl fundiertes Fachwissen in Finanzbuchhaltung, Rechnungslegung und Controlling weiterhin unverzichtbar bleibt, gewinnen digitale Kompetenzen deutlich an Bedeutung.
Besonders gefragt sind Kenntnisse im Umgang mit ERP-Systemen, digitalen Prozessen und datenbasierten Anwendungen. Gleichzeitig werden Analyse- und Problemlösungskompetenzen sowie ein ausgeprägtes Prozess- und Systemverständnis als zentrale Erfolgsfaktoren betrachtet. Unternehmen erwarten zunehmend, dass Fachkräfte Zusammenhänge erkennen, Daten interpretieren und Optimierungspotenziale identifizieren können.
Neben fachlichen und methodischen Kompetenzen gewinnen auch soziale und persönliche Fähigkeiten an Bedeutung. Kommunikationsfähigkeit, Lernbereitschaft, Anpassungsfähigkeit sowie vernetztes Denken werden von den Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern als entscheidende Voraussetzungen genannt, um den digitalen Wandel erfolgreich mitzugestalten.
Die Untersuchung zeigt zudem, dass viele Unternehmen zwar bereits Digitalisierungsprojekte umgesetzt haben, sich jedoch noch in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. Insbesondere kleinere Unternehmen digitalisieren ihre Prozesse häufig schrittweise und sind dabei stark von verfügbaren Ressourcen abhängig.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Digitalisierung die Anforderungen an Fachkräfte im Rechnungswesen nicht reduziert, sondern erweitert. Für Unternehmen wird es deshalb zunehmend wichtig, gezielte Up- und Reskilling-Massnahmen zu fördern, Mitarbeitende aktiv in Veränderungsprozesse einzubeziehen und eine nachhaltige Lernkultur zu etablieren. Nur so können die notwendigen Kompetenzen aufgebaut werden, um den zukünftigen Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt erfolgreich zu begegnen.