Vertrauenswürdige KI im Unterricht der Sekundarstufe

Vertrauenswürdige KI im Unterricht der Sekundarstufe

Einleitung
Künstliche Intelligenz ist längst im Schulalltag angekommen. Lernende nutzen KI-Tools für Recherchen, Hausaufgaben oder Textentwürfe, während Lehrpersonen sie für Unterrichtsvorbereitung, Materialerstellung oder administrative Aufgaben einsetzen. Gleichzeitig entwickeln EdTech-Anbieter laufend neue Anwendungen für den Bildungsbereich. Damit entstehen grosse Chancen, aber auch neue Unsicherheiten: Welche Systeme sind zuverlässig, welche Risiken sind vertretbar und nach welchen Kriterien entsteht Vertrauen? Genau an diesem Spannungsfeld setzt diese Bachelorarbeit an. Sie untersucht, wie Lehrpersonen und EdTech-Anbieter vertrauenswürdige KI im Bildungsbereich wahrnehmen und welche Unterschiede zwischen technischer Entwicklung und pädagogischer Praxis sichtbar werden.


Ziel der Arbeit
Ziel der Arbeit war es, zu untersuchen, wie Lehrpersonen und EdTech-Anbieter vertrauenswürdige KI im Bildungsbereich wahrnehmen. Im Zentrum standen ihre Einschätzungen zu Chancen, Risiken und Kriterien für Vertrauen. Dabei ging es nicht darum, die technische Leistungsfähigkeit einzelner KI-Systeme zu bewerten. Vielmehr sollte sichtbar werden, nach welchen Massstäben beide Gruppen entscheiden, ob ein KI-System im Unterricht sinnvoll, verantwortbar und vertrauenswürdig ist. Durch den Vergleich der beiden Perspektiven sollte aufgezeigt werden, wo gemeinsame Erwartungen bestehen und wo sich Unterschiede zwischen technologischer Entwicklung und pädagogischer Praxis zeigen.


Methodik
Die Arbeit stützt sich auf ein qualitatives Forschungsdesign. Dafür wurden zehn halbstrukturierte Interviews mit Lehrpersonen aus dem Kanton Bern geführt und mit acht bestehenden Interviews von Schweizer EdTech-Anbietern verglichen. Ergänzend wurde ein Experteninterview durchgeführt, um die Ergebnisse rechtlich und ethisch besser einzuordnen. Die Interviews wurden anschliessend mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Dabei wurden die Aussagen systematisch Kategorien wie Chancen, Risiken, Vertrauen, Nutzungskontext und ethische Leitvorstellungen zugeordnet. So konnte sichtbar gemacht werden, welche Themen beide Gruppen ähnlich beurteilen und wo sich deutliche Unterschiede zwischen Lehrpersonen und EdTech-Anbietern zeigen.


Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrpersonen und EdTech-Anbieter KI im Bildungsbereich grundsätzlich als relevant wahrnehmen, ihr Vertrauen jedoch unterschiedlich begründen. EdTech-Anbieter betrachten KI vor allem aus einer technischen und institutionellen Perspektive. Für sie entsteht Vertrauen durch Datenschutz, sichere Infrastruktur, lokale Serverstandorte, Zertifizierungen und stabile Systemqualität. Risiken werden entsprechend häufig als technische Probleme verstanden, etwa als fehlerhafte Ausgaben, Halluzinationen oder unkontrollierter Datenaustausch.

Lehrpersonen bewerten KI dagegen stärker aus der Perspektive des Unterrichts. Für sie wird ein Tool erst dann vertrauenswürdig, wenn es sich in der Praxis bewährt und den Lernprozess sinnvoll unterstützt. Besonders wichtig ist ihnen, dass Lernende weiterhin selbstständig denken, Inhalte kritisch prüfen und die KI nicht als Ersatz für eigene Leistung nutzen. Der Vergleich zeigt damit einen pädagogisch-technischen Graben: Beide Gruppen sprechen über dieselbe Technologie, beurteilen sie aber nach unterschiedlichen Massstäben. Während Anbieter vor allem fragen, ob ein System sicher und zuverlässig funktioniert, fragen Lehrpersonen stärker, ob es pädagogisch sinnvoll und verantwortbar eingesetzt werden kann.


Empfehlungen für die Praxis
Aus den Ergebnissen lassen sich mehrere Empfehlungen ableiten, die sich für die Praxis in drei Schwerpunkte bündeln lassen. Erstens sollten pädagogische Anforderungen bereits bei der Entwicklung von KI-Systemen berücksichtigt werden und nicht erst nachträglich ergänzt werden. KI im Bildungsbereich sollte deshalb nach dem Prinzip Pedagogy-by-Design gestaltet werden. Zweitens sollten Lehrpersonen stärker in die Entwicklung, Prüfung und Einführung solcher Systeme einbezogen werden. Sie kennen die Unterrichtspraxis und können einschätzen, ob ein Tool den Lernprozess tatsächlich unterstützt. Drittens braucht es klarere institutionelle Leitplanken. Schulen und Lehrpersonen sollten nicht allein entscheiden müssen, welche KI-Systeme geeignet, sicher und verantwortbar sind. Kantonale Empfehlungen, geprüfte Infrastrukturen, transparente Bewertungskriterien und Weiterbildungsangebote könnten helfen, Vertrauen aufzubauen und den Einsatz von KI im Unterricht gezielter zu steuern.


Fazit
Die Arbeit zeigt, dass vertrauenswürdige KI im Unterricht nicht allein durch technische Sicherheit entsteht. Datenschutz, stabile Systeme und transparente Regeln sind wichtige Voraussetzungen, reichen aber nicht aus. Entscheidend ist auch, ob KI den Lernprozess sinnvoll unterstützt, die Eigenleistung der Lernenden schützt und die Verantwortung der Lehrperson nicht ersetzt. Der Vergleich macht deutlich, dass Lehrpersonen und EdTech-Anbieter unterschiedliche Kriterien für Vertrauen anwenden. Damit KI im Bildungsbereich verantwortungsvoll eingesetzt werden kann, müssen technische, pädagogische und institutionelle Perspektiven stärker zusammengeführt werden. Für die Zukunft braucht es deshalb nicht nur bessere KI-Systeme, sondern auch klare Leitlinien, mehr Austausch zwischen Entwicklung und Schulpraxis sowie eine bewusste Auseinandersetzung mit der Frage, welche Rolle KI im Unterricht übernehmen soll.