Tiny Houses als Teil der Lösung für bezahlbaren Wohnraum?

Tiny Houses als ergänzender Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum

Der Schweizer Wohnungsmarkt steht zunehmend unter Druck. Sinkende Leerwohnungsziffern, steigende Angebotsmieten, knappe Bauzonenreserven, hohe Bodenpreise und eine anhaltend hohe Nachfrage erschweren die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Besonders betroffen sind Haushalte mit tieferem Einkommen sowie Teile des unteren Mittelstands. Vor diesem Hintergrund gewinnen alternative, flächensparende und ressourcenschonende Wohnformen an Bedeutung. Tiny Houses werden dabei zunehmend als mögliche Ergänzung im Wohnungsmarkt diskutiert, da sie durch kleinere Wohnflächen, reduzierten Ressourcenverbrauch und potenziell tiefere Wohnkosten neue Perspektiven eröffnen können.

Ziel der Arbeit

Ziel der Arbeit war es, die Marktperspektiven und unternehmerischen Potenziale von Tiny Houses im Schweizer Wohnungsmarkt zu analysieren. Im Zentrum stand die Frage, unter welchen wirtschaftlichen, regulatorischen und nachfrageseitigen Bedingungen Tiny Houses einen Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum leisten können.

Dabei stand folgende Forschungsfrage im Mittelpunkt:

«Welche Marktperspektiven und unternehmerischen Potenziale haben Tiny Houses im Schweizer Wohnungsmarkt, und unter welchen wirtschaftlichen, regulatorischen und nachfrageseitigen Bedingungen können sie einen Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum leisten?»

Die Arbeit untersucht Tiny Houses aus immobilienökonomischer Perspektive. Dabei wurden insbesondere Nachfrage, Zielgruppen, Geschäftsmodelle, Wirtschaftlichkeit, Standortfragen sowie regulatorische Rahmenbedingungen betrachtet. Ziel war es nicht, Tiny Houses als generelle Lösung für die Wohnraumknappheit darzustellen, sondern ihren möglichen Beitrag als ergänzendes Wohnangebot differenziert einzuordnen.

Methodisches Vorgehen

Für die Untersuchung wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Die Datenerhebung erfolgte mittels leitfadengestützter Interviews mit verschiedenen Akteursgruppen aus dem Bereich Tiny Houses und Kleinwohnformen. Befragt wurden unter anderem Anbieterinnen und Anbieter, Architektinnen und Architekten, Inhaberinnen und Inhaber von Tiny Houses sowie ein Vertreter des Vereins Kleinwohnformen Schweiz.

Von neun geführten Interviews wurden acht anhand der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Dieses Vorgehen ermöglichte es, unterschiedliche Perspektiven systematisch zu erfassen und zentrale Chancen, Herausforderungen und Bedingungen für Tiny Houses im Schweizer Wohnungsmarkt herauszuarbeiten.

Zentrale Erkenntnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass Tiny Houses im Schweizer Wohnungsmarkt aktuell vor allem als Nischenlösung wahrgenommen werden. Zwar besteht ein wachsendes Interesse an kleinen, flexiblen und ressourcenschonenden Wohnformen, eine breite Marktdurchdringung ist jedoch derzeit nicht absehbar. Marktpotenzial besteht insbesondere dort, wo passende Zielgruppen, geeignete Standorte und bewilligungsfähige Nutzungskonzepte zusammenkommen.

Als relevante Zielgruppen wurden vor allem kleinere Haushalte, Alleinstehende, Paare ohne Kinder, ältere Personen mit Downsizing-Wunsch sowie Menschen identifiziert, die bewusst reduzierter und ressourcenschonender wohnen möchten. Besonders geeignet erscheinen Tiny Houses weniger in dicht bebauten Stadtzentren, sondern eher auf Restflächen, in grossen Gärten, älteren Einfamilienhausquartieren, kleineren Gemeinden, Agglomerationsrändern, auf Campingplätzen, Brachflächen oder im Rahmen von Zwischennutzungen.

Ein zentrales Ergebnis betrifft die Wirtschaftlichkeit. Tiny Houses sind zwar kleiner als konventionelle Wohnformen, jedoch nicht automatisch günstig oder wirtschaftlich tragfähig. Neben dem eigentlichen Haus fallen weitere Kosten für Planung, Fundament, Transport, Erschliessung, Anschlussgebühren, Baubewilligung, Haustechnik, Unterhalt und Standplatz an. Zudem sinken gewisse Kosten nicht proportional zur Wohnfläche, da auch kleine Wohneinheiten über Küche, Bad, Heizung, Dämmung und technische Ausstattung verfügen müssen.

Auch die regulatorischen und planerischen Rahmenbedingungen stellen eine zentrale Hürde dar. Die Interviews zeigen, dass Tiny Houses häufig nicht am fehlenden Interesse scheitern, sondern an Standplatzfragen, Bauvorschriften, Bewilligungen, Erschliessung und fehlender planerischer Klarheit. Gemeinden spielen dabei eine entscheidende Rolle, da die Bewilligungsfähigkeit stark von kommunalen und kantonalen Rahmenbedingungen abhängt. Auch mobile Tiny Houses sind bei längerer Nutzung nicht automatisch bewilligungsfrei.

Hinsichtlich des Beitrags zu bezahlbarem Wohnraum zeigt sich ein differenziertes Bild. Tiny Houses können unter bestimmten Bedingungen zu tieferen Wohnkosten beitragen, insbesondere durch reduzierte Wohnfläche, geringeren Unterhalt und potenziell tiefere Investitionskosten. Dieser Beitrag ist jedoch nur realistisch, wenn geeignete oder bereits vorhandene Flächen genutzt werden können, Standplatzkosten tief bleiben, die Erschliessung gesichert ist und der Ausbaustandard realistisch geplant wird.

Aus den Ergebnissen wird deutlich, dass Tiny Houses nicht als flächendeckende Lösung für die Wohnraumknappheit verstanden werden können. Vielmehr können sie als ergänzendes Nischensegment zur Diversifizierung des Wohnangebots beitragen. Dafür müssen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein: gesicherte Standplätze, tiefe Boden- oder Standplatzkosten, bewilligungsfähige Standorte, offene Gemeinden, realistische Kostenstrukturen und passende Geschäftsmodelle.

Die Arbeit zeigt zudem, dass Tiny Houses wichtige Impulse für die Diskussion um flächensparendes, bezahlbares und alternatives Wohnen geben können. Ihr Potenzial liegt weniger in der massenhaften Anwendung, sondern in gezielten Projekten, die wirtschaftlich, regulatorisch und nachfrageseitig sorgfältig geplant sind.

Die nachfolgende Grafik zeigt die zentralen Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung von Tiny Houses im Schweizer Wohnungsmarkt und veranschaulicht, wie Nachfrage, Standort, Regulierung, Wirtschaftlichkeit und Geschäftsmodell zusammenspielen müssen, damit Tiny Houses einen realistischen Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum leisten können.