Roboter im Wartezimmer: Beruhigend, irritierend oder einfach praktisch?
Ein humanoider Roboter im Wartezimmer klingt nach Zukunft. Diese Bachelorarbeit prüfte nicht, ob Roboter Angst zuverlässig reduzieren können, sondern ob ein solches Studiensetting überhaupt durchführbar ist.
Warten im medizinischen Kontext kann mit Unsicherheit und Anspannung verbunden sein. Gleichzeitig sind viele Wartezimmer eher passiv gestaltet. Die Bachelorarbeit untersuchte deshalb, wie ein humanoider Roboter in einer simulierten medizinischen Wartesituation eingesetzt werden kann.
Im Zentrum stand eine Pilot- und Machbarkeitsstudie mit 29 auswertbaren Teilnehmenden von 373 angeschriebenen Personen. 16 Personen warteten ohne Roboter und 13 Personen mit einem humanoiden Roboter. Nach der Wartephase wurden situative Angst, wahrgenommene Servicequalität und Vertrauen in die Einrichtung abgefragt.
Wegen der kleinen Stichprobe sind die Ergebnisse nicht signifikant und nicht aussagekräftig im Sinne eines Wirksamkeitsnachweises, weder bei der Angstreduktion durch die Roboterinteraktion noch bei der Servicequalität.
Die Power-Analyse zeigt, dass für einen belastbaren Nachweis deutlich mehr Teilnehmende nötig wären. Um signifikante Unterschiede in der situativen Angstwahrnehmung zu erkennen, wären mindestens 308 Personen nötig, und bei der Servicequalität sogar mehr als 432 Personen. Diese Zahlen zeigen, weshalb die vorliegende Pilotstudie keine Signifikanz erwarten lassen konnte.

Der eigentliche Beitrag der Arbeit liegt deshalb in der Methodik und seine problemlos skalierbaren Werkzeuge. Das experimentelle Setting konnte ohne Einschränkungen und grössere Überraschungen umgesetzt werden. Die Datenerhebung, die Prozessdokumentation und die statistische Auswertung funktionierten. Gleichzeitig wurden zentrale Herausforderungen sichtbar, insbesondere Rekrutierung, Stichprobengrösse und die begrenzte Aussagekraft kleiner Pilotstudien.
Die Arbeit liefert somit keine Evidenz dafür, dass humanoide Roboter im Wartezimmer Angst reduzieren. Sie zeigt vielmehr, wie ein solches Forschungsdesign aufgebaut, getestet und für grössere Studien weiterentwickelt werden kann.
Ideen für eine weiterentwickelte Studie: realitätsgetreues Wartezimmer in einer Arztpraxis; längere Wartezeit; mehrere Patientinnen und Patienten im Warteraum; zusätzliche Messung für allgemeine Ängstlichkeit mit STAI-Trait; zusätzliche Pre-Messung mit STAI-State; natürlichsprachliche Roboterinteraktion in Mundart und mit Small Talk.