Resilienz von Convertible Bonds während Finanzmarktkorrekturphasen
Finanzmärkte werden regelmässig von Phasen erhöhter Unsicherheit geprägt, in denen Kurskorrekturen mehrere Anlageklassen gleichzeitig erfassen. Für institutionelle Investoren stellt sich in solchen Phasen die Frage, wie Verluste begrenzt werden können, ohne vollständig auf Renditechancen zu verzichten. Convertible Bonds – Wandelanleihen – werden als hybrides Instrument diskutiert, das eine Anleihenkomponente mit einer Wandlungsoption verbindet und theoretisch ein asymmetrisches Rendite-Risiko-Profil bietet. Verluste werden durch den sogenannten Bondfloor begrenzt, während die Optionskomponente eine Partizipation an Kurssteigerungen ermöglicht. Ob diese Schutzwirkung jedoch auch in der Praxis greift, hängt stark vom Charakter der jeweiligen Krise ab – eine Frage, die bisher nicht systematisch untersucht wurde.
Zielsetzung und Forschungsfrage
Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, ob Convertible Bonds in konkreten Krisenphasen günstigere Verlust- und Erholungseigenschaften aufweisen als Aktien und Investment-Grade-Anleihen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: In welchem Ausmass weisen Convertible Bonds in den Krisenphasen 2020, 2024 und 2025 günstigere Verlust- und Erholungseigenschaften auf als der MSCI World und der Bloomberg Global Aggregate Corporate Index?
Methodik
Die Arbeit verfolgt einen Mixed-Methods-Ansatz. Die quantitative Analyse basiert auf täglichen Total-Return-Zeitreihen aus Bloomberg für den Zeitraum Januar 2019 bis März 2026, alle in CHF abgesichert. Als Kennzahlen werden Maximum Drawdown, annualisierte Volatilität und Time-to-Recovery verwendet. Ergänzend werden Korrelationen zwischen den Anlageklassen berechnet, sowohl für den Gesamtzeitraum als auch separat für jede Krisenphase. Zur qualitativen Einordnung der Befunde wurden drei semi-strukturierte Experteninterviews mit professionellen Fondsmanagerinnen und Fondsmanagern aus dem Schweizer Asset Management geführt, die allesamt globale Convertible-Bonds-Fonds verantworten. Die Auswertung erfolgte qualitativ-inhaltsanalytisch mittels der Software Taguette.
Ergebnisse
Die quantitative Analyse zeigt ein konsistentes Muster über alle drei Krisenphasen: Convertible Bonds wiesen gegenüber dem MSCI World stets einen geringeren Maximum Drawdown und eine tiefere Volatilität auf und erholten sich schneller. Beim Corona-Schock 2020 verloren Convertibles mit –21.4% deutlich weniger als Aktien (–33.1%), erholten sich in 96 Handelstagen und lagen damit klar vor dem MSCI World (146 Tage). Beim Liberation Day 2025 zeigten Convertibles mit 78 Handelstagen sogar die schnellste Erholung aller drei Anlageklassen. Die qualitative Analyse zeigt jedoch auch Grenzen der Schutzfunktion: In geldpolitisch getriebenen Krisen mit gleichzeitig steigenden Zinsen und fallenden Aktienkursen gerät die Hybridstruktur auf beiden Seiten unter Druck. Die Experteninterviews bestätigen die quantitativen Befunde und ergänzen sie um praxisrelevante Erklärungen, etwa zur Rolle des Bondfloors, des Deltas und des Pull-to-par-Effekts.
Fazit
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Convertible Bonds in aktienmarktgetriebenen Krisen konsistent günstigere Verlust- und Erholungseigenschaften aufweisen. Die Schutzwirkung ist jedoch krisentypenabhängig und nicht universell. Für institutionelle Investoren lassen sich drei praktische Schlussfolgerungen ableiten: Convertible Bonds eignen sich als strategischer Portfoliobaustein mit langfristigem Anlagehorizont, die Schutzwirkung hängt vom dominierenden Risikotreiber ab, und Sektorrisiken sowie die Qualität des Emittentenuniversums sollten bei der Allokationsentscheidung berücksichtigt werden.