Open-Source Software und Nachhaltigkeit an Schweizer Hochschulen

Open-Source Software und Nachhaltigkeit an Schweizer Hochschulen
KI-Generiertes Bild

Open-Source Software ist aus der digitalen Infrastruktur von Hochschulen kaum mehr wegzudenken. Sie wird unter anderem für Lernplattformen, Forschungsanwendungen, organisatorische Systeme und technische Infrastrukturen eingesetzt. Gleichzeitig stehen Hochschulen zunehmend vor der Aufgabe, ihre Digitalisierung nachhaltig zu gestalten. Bislang ist jedoch wenig darüber bekannt, ob Open-Source Software dabei bewusst als nachhaltigkeitsrelevantes Thema wahrgenommen wird.

Ausgangslage

Nachhaltigkeit und digitale Transformation sind für Hochschulen von wachsender Bedeutung. In Forschung und Praxis werden die beiden Themen jedoch häufig getrennt behandelt. Nachhaltigkeitsmassnahmen konzentrieren sich vielfach auf sichtbare Bereiche wie Gebäude, Mobilität, Lehre oder Ressourcenmanagement. Digitale Systeme und Softwareentscheidungen werden dagegen nur teilweise in übergeordnete Nachhaltigkeitsstrategien einbezogen.

Open-Source Software wird an Hochschulen bereits seit längerer Zeit eingesetzt. Bestehende Untersuchungen befassen sich dabei vor allem mit praktischen Faktoren wie Funktionalität, Lizenzkosten, Integrationsaufwand, Support und Nutzerakzeptanz. Weniger untersucht ist, ob Hochschulen den Einsatz von Open-Source Software auch mit ökonomischen, ökologischen oder sozialen Nachhaltigkeitsaspekten verbinden.

Für den Schweizer Hochschulkontext konnte im Rahmen der Literaturrecherche keine Untersuchung gefunden werden, welche diese Verbindung gezielt betrachtet. Diese Bachelorarbeit greift diese Forschungslücke auf.



Ziel der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, wie Open-Source Software an ausgewählten Schweizer Hochschulen als nachhaltigkeitsrelevantes Thema wahrgenommen wird. Im Zentrum steht die folgende Forschungsfrage:

"Auf welche Weise wird Open-Source Software an Schweizer Hochschulen als nachhaltigkeitsrelevantes Thema betrachtet?"

Dabei wird erstens untersucht, aus welchen Gründen Open-Source Software eingesetzt wird und welche Kriterien bei Softwareentscheidungen ausschlaggebend sind. Zweitens wird analysiert, welche Bezüge zur ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit hergestellt werden. Als theoretischer Bezugsrahmen dient die Triple Bottom Line mit ihren drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Ergänzend werden Ansätze der digitalen Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Die Arbeit untersucht nicht, ob Open-Source Software grundsätzlich nachhaltiger als proprietäre Software ist. Im Fokus stehen vielmehr die Wahrnehmungen der befragten Fachpersonen, die Entscheidungslogiken beim Softwareeinsatz und die institutionellen Rahmenbedingungen an den untersuchten Hochschulen.

Methodik

Die Arbeit basiert auf einem qualitativ explorativen Forschungsdesign und verbindet eine strukturierte Literaturanalyse mit leitfadengestützten Experteninterviews.

Die Literaturanalyse dient der Aufarbeitung des Forschungsstands zu Open-Source Software, digitaler Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit an Hochschulen und der Triple Bottom Line. Anschliessend wurden vier Interviews mit IT Fachpersonen der Berner Fachhochschule, der Universität Bern, der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Hochschule Luzern durchgeführt.

Die Interviews wurden vollständig transkribiert und mittels einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Dafür wurde ein Kategoriensystem entwickelt, das sowohl auf dem theoretischen Rahmen als auch auf wiederkehrenden Themen aus den Interviews basiert. Die Aussagen wurden den Kategorien zugeordnet, über die Hochschulen hinweg verglichen und zu zentralen Ergebnissen zusammengeführt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass Open-Source Software an allen vier untersuchten Hochschulen eingesetzt wird. Der Einsatz erfolgt jedoch meist nicht aufgrund einer gezielten Open-Source Strategie oder Nachhaltigkeitsstrategie. Open-Source Software ist vielmehr eine bestehende Gegebenheit des IT Betriebs und wird dort verwendet, wo eine Lösung die fachlichen und technischen Anforderungen erfüllt.

Bei Softwareentscheidungen stehen Funktionalität, bestehende Anforderungen, Budget und Betriebsaufwand im Vordergrund. Ob eine Lösung Open Source ist, spielt dagegen meist eine nachrangige Rolle.

In der ökonomischen Dimension zeigt sich, dass der Wegfall von Lizenzkosten nicht automatisch zu einer günstigeren Gesamtlösung führt. Aufwände für Betrieb, Wartung, Support, Weiterentwicklung und Fachpersonal können mögliche Kostenvorteile relativieren. Eine umfassende Betrachtung der Gesamtkosten über den gesamten Lebenszyklus einer Software ist in den untersuchten Fällen nur begrenzt erkennbar.

Ökologische Aspekte wurden in den Interviews am seltensten thematisiert. Möglichkeiten wie eine längere Nutzung bestehender Hardware werden nur situativ mit Open-Source Software verbunden. Eine systematische Verknüpfung von Softwareentscheidungen und ökologischen Nachhaltigkeitszielen ist kaum vorhanden.

In der sozialen Dimension erweist sich die Nutzerakzeptanz als wichtiger Einflussfaktor. Vertraute Systeme, bestehende Gewohnheiten und etablierte Arbeitsweisen können den Einsatz alternativer Lösungen erschweren. Gleichzeitig bietet Open-Source Software Potenziale durch ihre Anpassbarkeit, Barrierefreiheit, den Wissenstransfer und die gemeinschaftliche Weiterentwicklung.

Fazit

Open-Source Software ist an den untersuchten Hochschulen weit verbreitet, wird jedoch nur selten bewusst mit Nachhaltigkeitszielen verbunden. Digitalisierung, Softwarebeschaffung und Nachhaltigkeit werden in der Praxis weiterhin weitgehend getrennt betrachtet.

Die Arbeit zeigt, dass Open-Source Software nicht automatisch nachhaltig ist. Sie kann jedoch einen Beitrag zu einer nachhaltigen digitalen Entwicklung leisten, wenn ihr Einsatz strategisch geplant, institutionell verankert und über den gesamten Lebenszyklus betrachtet wird. Dazu sind klare Verantwortlichkeiten, geeignete Governance Strukturen und eine stärkere Verbindung zwischen Digitalisierungsstrategien und Nachhaltigkeitsstrategien erforderlich.