Nutzerzentrierte Evaluation und Weiterentwicklung der Betaversion von "Me & My Planet": Eine User Experience-Analyse zur Ableitung von Anforderungen für eine prototypische Weiterentwicklung
Die Folgen des Klimawandels sind längst im Alltag spürbar. Digitale Anwendungen haben dabei das Potenzial, einen Beitrag zu leisten, indem sie das eigene Konsumverhalten sichtbar machen. Mit "Me & My Planet" entwickelt die Berner Fachhochschule BFH genau ein solches Tool: eine Anwendung, die Studierende dabei unterstützt, ihren Lebensstil zu dokumentieren, zu reflektieren und nachhaltige Verhaltensänderungen anzustossen. Die Anwendung befand sich jedoch in der Betaphase und eine systematische Auseinandersetzung mit ihrer User Experience (UX) fehlte bislang.
Diese Bachelorarbeit schloss diese Lücke mit einer strukturierten UX-Evaluation, einem klickbaren Figma-Prototyp und konkreten Handlungsempfehlungen für die nutzerzentrierte Weiterentwicklung.
Kontext
"Me & My Planet" wurde vom Digital Sustainability Lab (DSL) am Institut Public Sector Transformation (IPST) der BFH entwickelt und im Herbstsemester 2025/26 erstmals im Unterricht eingesetzt. Die Anwendung verfolgt die Sustainable Development Goals 12 («Responsible Consumption & Production») und 13 («Climate Action»). Da sich das Produkt erst in der Betaphase befand, waren UX-Potenziale und -Probleme noch weitgehend unentdeckt. Eine unzureichende UX kann die Akzeptanz digitaler Anwendungen beeinträchtigen und damit auch deren Wirksamkeit im Bildungskontext beeinflussen. Diese Ausgangslage bildete den Ausgangspunkt dieser Arbeit.
Ziel und Fragestellung
Das Ziel war die systematische Evaluation der UX der Betaversion sowie die nutzerzentrierte Ableitung von Anforderungen für eine prototypische Weiterentwicklung. Die zentrale Forschungsfrage lautete:
Wie können auf Basis einer UX-Evaluation der Betaversion von «Me & My Planet» nutzerzentrierte Designanforderungen abgeleitet und deren Wirksamkeit anhand eines Prototyps überprüft werden?
Methodik
Das Vorgehen orientierte sich am Human-Centered Design Prozess des Kognitionswissenschaftlers Donald Norman und wurde als Design Science Research klassifiziert. Im Zentrum standen dabei etablierte User-Research Methoden der UX-Expertin Stephanie Marsh.
Zur Erfassung von Wahrnehmung, Erwartungen und Erfahrungen wurde eine quantitative Umfrage mit dem User Experience Questionnaire (UEQ) sowie offenen Freitextfragen durchgeführt. Ergänzend dazu wurden vier Usability-Tests mit der Think-Aloud-Methode durchgeführt, um konkrete UX-Probleme direkt bei der Nutzung zu identifizieren. Die gewonnen Erkenntnisse wurden mittels inhaltlicher und thematischer Analyse ausgewertet und daraus Anforderungen konsolidiert. Diese wurden anschliessend in einem klickbaren Figma-Prototyp umgesetzt und in vergleichenden Usability-Tests mit dem UEQ-Short gegenüber der Betaversion evaluiert.
Ergebnisse
Die Umfrage (n=13) sowie Usability-Tests zeigten ein klares Bild: das Grundkonzept und die visuelle Gestaltung von "Me & My Planet" wurde durchgehend positiv wahrgenommen. Die UEQ-Auswertung bestätigte dies mit den höchsten Werten in den Dimensionen Durchschaubarkeit und Attraktivität. Effizienz, Stimulation und Originalität lagen hingegen im neutralen Bereich. Die konsolidierte hedonische Qualität fiel mit 0.09 im Vergleich tief aus. Die Schwächen lagen damit weniger im Konzept, sondern in der konkreten Umsetzung. Insgesamt wurden 49 UX-Probleme und -Wünsche identifiziert, in fünf Issue-Kataloge dokumentiert und zu acht User Needs mit dazugehörigen User Stories verdichtet. Die grössten Handlungsbedarfe bestanden bei der Erfassungslogik, Bedienbarkeit und vertieften Analyse.
Der daraus entwickelte Figma-Prototyp wurde in vergleichenden Usability-Tests validiert und erzielte in sämtlichen Tests bessere Werte als die Betaversion. Die pragmatische Qualität verbesserte sich in einzelnen Aufgaben bis zu 115%, die hedonische Qualität bis zu 40%. Der Gesamtwert stieg aufgabenübergreifend zwischen 24% und 73% an.

Als direkt einsetzbare Artefakte entstanden fünf Issue-Kataloge, acht User Needs mit User Stories, ein klickbarer Prototyp sowie ein priorisierter Katalog an Handlungsempfehlungen für die nutzerzentrierte Weiterentwicklung von "Me & My Planet".
Fazit
"Me & My Planet" ist ein wertvolles Tool zu Förderung individueller Nachhaltigkeitskompetenz. Die Betaversion bietet dafür eine gute Grundlage. Die Evaluation hat jedoch gezeigt, dass konkrete UX-Schwächen die Wirksamkeit der Anwendung bremsen. Die entwickelten Artefakte liefern dem Entwicklungsteam eine direkt einsetzbare Grundlage für die Weiterentwicklung. Darüber hinaus wird empfohlen, UX-Evaluation als iterativer Prozess zu etablieren, den Einsatz von Gamification sowie das Angebot von "Me & My Planet" als installierbare Mobile-App zu prüfen.