Implizite Zahlungsbereitschaft für alternative Last-Mile Zustellungsformen im Schweizer E-Commerce

Implizite Zahlungsbereitschaft für alternative Last-Mile Zustellungsformen im Schweizer E-Commerce

Patrik Amstutz
24. Juni 2026 / 2 min read

Die Anzahl der Paketsendungen in der Schweiz steigt seit Jahren kontinuierlich an. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Druck, die negativen Umweltauswirkungen des Onlinehandels zu reduzieren. Doch sind Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich bereit, nachhaltigere Lieferoptionen zu unterstützen, wenn diese mit zusätzlichen Kosten oder längeren Lieferzeiten verbunden sind? Diese quantitative Studie untersucht, welchen monetären Wert junge Schweizer Onlinekäufer emissionsarmen Zustellfahrzeugen beimessen und welche Faktoren ihre Lieferentscheidung beeinflussen.

Kontext

Der Schweizer Onlinehandel verzeichnet seit Jahren ein starkes Wachstum und gehört mittlerweile zum festen Bestandteil des Konsumalltags. Mit der steigenden Zahl an Bestellungen nehmen jedoch auch die ökologischen Herausforderungen der sogenannten Last Mile zu. Die letzte Etappe der Zustellung verursacht einen erheblichen Teil der transportbedingten Emissionen und steht deshalb zunehmend im Fokus von Politik, Unternehmen und Forschung. Gleichzeitig zeigen frühere Studien, dass Konsumentinnen und Konsumenten zwar grundsätzlich nachhaltige Lieferlösungen befürworten, im konkreten Kaufentscheid jedoch häufig Preis und Bequemlichkeit priorisieren.

Problemstellung und Zielsetzung

Ob alternative Zustellfahrzeuge wie Elektro-Lieferwagen oder Lastenvelos im Schweizer E-Commerce tatsächlich einen eigenständigen Nutzen für Konsumentinnen und Konsumenten schaffen und ob hierfür eine Zahlungsbereitschaft besteht, war bislang kaum untersucht. Ziel dieser Arbeit war es deshalb, die Präferenzen von Schweizer Onlinekäuferinnen und Onlinekäufern für unterschiedliche Lieferoptionen zu analysieren und die implizite Zahlungsbereitschaft für alternative Zustellfahrzeuge zu bestimmen. Darüber hinaus sollte untersucht werden, wie sich diese Präferenzen im Verhältnis zu klassischen Entscheidungskriterien wie Lieferpreis und Lieferzeit einordnen lassen.

Methodik

Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Online-Umfrage mit einer Teilnahme von 219 Personen aus der Schweiz. Kernstück der Studie bildete ein Discrete Choice Experiment, bei dem die Teilnehmenden wiederholt zwischen zwei Lieferoptionen wählen mussten. Die Optionen unterschieden sich hinsichtlich Lieferpreis, Lieferzeit und Zustellfahrzeug. Zur Auswahl standen ein herkömmlicher Lieferwagen, ein Elektro-Lieferwagen sowie ein Lastenvelo. Die Auswertung erfolgte mithilfe eines Conditional-Logit-Modells, wodurch die implizite Zahlungsbereitschaft für die einzelnen Lieferattribute geschätzt werden konnte.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass Lieferpreis und Lieferzeit die wichtigsten Einflussfaktoren bei der Wahl einer Lieferoption bleiben. Gleichzeitig wurden alternative Zustellfahrzeuge signifikant positiver bewertet als herkömmliche Lieferwagen. Besonders der Elektro-Lieferwagen erzielte einen hohen Nutzenzuwachs. Die geschätzte implizite Zahlungsbereitschaft beträgt durchschnittlich CHF 1.10 für eine Zustellung mit einem Elektro-Lieferwagen und CHF 0.86 für eine Zustellung mit einem Lastenvelo. Bemerkenswert ist, dass der Elektro-Lieferwagen damit sogar höher bewertet wurde als eine Verkürzung der Lieferzeit um einen Tag. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass emissionsarme Zustellfahrzeuge aus Konsumentensicht einen eigenständigen Mehrwert schaffen. Für die Praxis bedeutet dies, dass nachhaltigere Lieferoptionen nicht ausschliesslich als Kostenfaktor betrachtet werden sollten. Gleichzeitig bleibt die hohe Preissensibilität bestehen, weshalb die erfolgreiche Umsetzung solcher Angebote eine sorgfältige Ausgestaltung und Kommunikation erfordert.