IKT-Verbreitung und ökologische Belastungen im Kontext planetarischer Grenzen
Ausgangslage
Nebst der wachsenden Weltbevölkerung und weiteren sozioökonomischen Entwicklungen zählen die fortschreitende Digitalisierung und zunehmende ökologische Belastungen zu den prägenden Entwicklungen unserer Zeit. Während digitale Technologien insbesondere durch Kostenreduktionen an Relevanz gewinnen, lassen sich vermehrt Belastungen der Umwelt feststellen. Ob digitale Technologien die Umwelt eher entlasten oder zusätzlich belasten, ist wissenschaftlich umstritten. Effizienzgewinne durch Digitalisierung können von Rebound-Effekten wie höherer Nutzung kompensiert werden. Die bisherige Forschung konzentriert sich dabei mehrheitlich auf CO₂-Emissionen und blendet weitere ökologische Dimensionen weitgehend aus.
Ziel & Fragestellung
Die Arbeit untersucht empirisch, ob und in welchem Ausmass die Internetnutzungsrate als Proxy für Digitalisierung mit ökologischen Belastungen auf Länderebene zusammenhängt. Anders als der Grossteil der bestehenden Literatur bildet die Arbeit die ökologische Dimension mehrdimensional ab und stützt sich dabei auf das Planetary-Boundaries-Framework, das neun zentrale Belastungsgrenzen des Erdsystems beschreibt, von welchen per 2025 sieben auf globaler Ebene überschritten werden. Die Überschreitung dieser Belastungsgrenzen stellt zwar keinen unmittelbaren Kollaps dar, birgt aber ein erhöhtes Risiko, dass kritische Erdsystemprozesse in einen grundlegend veränderten, teils irreversiblen Zustand kippen.
Methodik
Grundlage bildet ein Paneldatensatz von 34 Ländern aus allen Einkommensgruppen und Weltregionen über den Zeitraum von 2000 bis 2024. Als Proxy für die digitale Durchdringung dient die von der International Telecommunication Union (ITU) erhobene Internetnutzungsrate, während als abhängige Variablen neun an den planetaren Grenzen orientierte ökologische Indikatoren verwendet werden. Methodisch kommen bivariate Korrelationsanalysen, gepoolte OLS-Regressionen sowie Two-Way-Fixed-Effects-Panelmodelle zum Einsatz, ergänzt durch verschiedene Robustheitsanalysen und eine Residuenanalyse auf Länderebene. Das BIP pro Kopf wird durchgehend als Kontrollvariable berücksichtigt.
Ergebnisse & Fazit
Die Befunde zeigen kein einheitliches Bild. Der Zusammenhang zwischen Internetnutzung und ökologischen Belastungen ist weder durchgängig entlastend noch durchgängig belastend, sondern variiert stark nach ökologischer Dimension. Den stärksten und robustesten positiven Zusammenhang weisen die CO₂-Emissionen pro Kopf auf, die auch im Fixed-Effects-Modell signifikant bleiben. Auf der entlastenden Seite fällt auf, dass eine höhere Internetnutzung mit geringeren Waldverlusten einhergeht. Ein Befund, der über alle Modellspezifikationen hinweg stabil bleibt. Für die übrigen Indikatoren schwächen sich die in den OLS-Modellen beobachteten Zusammenhänge im Fixed-Effects-Ansatz mehrheitlich ab oder verschwinden ganz, was auf den starken Einfluss struktureller Unterschiede zwischen den Ländern hindeutet. Eine generelle Entkopplung zwischen zunehmender Internetnutzung und ökologischen Belastungen lässt sich auf Basis der Daten nicht belegen.