Hold or Sell? Der Ex-Dividenden-Effekt am Schweizer Aktienmarkt.
Dividenden spielen am Schweizer Aktienmarkt eine zentrale Rolle. Viele grosse börsenkotierte Schweizer Unternehmen schütten ihre Dividenden regelmässig aus und gelten deshalb als besonders attraktiv für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger. Gleichzeitig ist die steuerliche Behandlung entscheidend: Während Dividendenerträge in der Schweiz grundsätzlich als Einkommen besteuert werden, bleiben private Kapitalgewinne unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei.
Genau an dieser Schnittstelle setzt die Bachelorarbeit an. Sie untersucht den Ex-Dividenden-Tag, also jenen Tag, an dem eine Aktie erstmals ohne Anspruch auf die zuvor beschlossene Dividende gehandelt wird. Theoretisch müsste der Aktienkurs an diesem Tag ungefähr um den Bruttodividendenbetrag fallen. In der Praxis ist dieser Kursabschlag jedoch nicht immer vollständig.
Ziel der Arbeit
Ziel der Arbeit ist es, den Ex-Dividenden-Effekt bei ausgewählten Schweizer Dividendenaktien im Zeitraum 2016 bis 2025 empirisch zu analysieren. Im Zentrum steht die Frage, wie stark der Kursabschlag am Ex-Dividenden-Tag tatsächlich ausfällt und in welchem Ausmass er vom ausgeschütteten Bruttodividendenbetrag abweicht.
Ergänzend wird untersucht, wie sich eine klassische Buy-and-Hold-Strategie im Vergleich zu einer modellierten Sell-Before-Rebuy-Strategie für Privatanlegende entwickelt. Bei Letzterer wird eine Aktie vor dem Ex-Dividenden-Tag verkauft und danach wieder zurückgekauft, um den steuerpflichtigen Dividendenertrag zu vermeiden.
Methodisches Vorgehen
Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Ereignisstudie mit acht Schweizer Dividendenaristokraten und insgesamt 80 Dividendenereignissen. Der Kursabschlag wurde über die sogenannte Price Drop Ratio gemessen. Diese Kennzahl zeigt, wie stark der Kurs im Verhältnis zur ausgeschütteten Dividende tatsächlich fällt.
Ergänzend wurden statistische Tests sowie ein Backtesting zweier Anlagestrategien durchgeführt. Dabei wurden neben Kursentwicklungen auch Dividendenbesteuerung und Transaktionskosten berücksichtigt.
Zentrale Erkenntnisse
Die Ergebnisse zeigen einen klar messbaren Ex-Dividenden-Effekt. In allen untersuchten Fällen lag der Eröffnungskurs am Ex-Dividenden-Tag unter dem Schlusskurs des Vortags. Die durchschnittliche Overnight-Price-Drop-Ratio betrug 0.778. Das bedeutet: Der Kurs fiel im Durchschnitt nur um rund 78 Prozent der ausgeschütteten Bruttodividende und damit weniger stark, als es die Theorie erwarten liesse.
Im Strategievergleich erreichte die Sell-Before-Rebuy-Strategie über zehn Jahre einen leicht höheren Endwert bzw. Performance als die Buy-and-Hold-Strategie. Dieser Vorteil ist jedoch vor allem steuerlich sowie mit gewissen Modellannahmen erklärbar und nicht als eindeutiger Nachweis einer einfach ausnutzbaren Marktineffizienz zu verstehen.
Des Weiteren zeigt die Arbeit, dass Dividendenentscheidungen nicht isoliert betrachtet werden sollten. Entscheidend ist nicht nur die Höhe der Dividende, sondern auch, wie Kursreaktionen, Steuern und Transaktionskosten zusammenspielen.
Für Schweizer Privatanlegende liefert die Analyse damit einen praxisnahen Beitrag zur Frage, ob das klassische Halten von Dividendenaktien immer die beste Lösung ist. Gleichzeitig macht die Arbeit deutlich: Die Ergebnisse hängen stark von Modellannahmen, steuerlicher Situation, Kostenstruktur und Anlegerstatus ab. Eine allgemeine Anlageempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten, wohl aber ein besseres Verständnis dafür, wie relevant der Ex-Dividenden-Tag für Anlageentscheidungen sein kann.