Gesundheit am Arbeitsplatz: Die Menopause als Thema des Betrieblichen Gesundheitsmanagements
Die Menopause betrifft nahezu alle Frauen und fällt für viele in eine beruflich intensive Lebensphase. Am Arbeitsplatz bleibt sie aber oft ein Tabu. In der Schweiz empfinden über 40 Prozent der berufstätigen Frauen die Menopause in ihrem Unternehmen als Tabuthema, obwohl sich rund 70 Prozent eine offene Kommunikation wünschen. Gleichzeitig steigt die Erwerbsbeteiligung der 55- bis 64-Jährigen, womit immer mehr Frauen die menopausale Übergangsphase vollständig im Berufsleben durchlaufen. Beschwerden wie Schlafstörungen, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme können dabei die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und im Extremfall sogar zu Pensumsreduktionen oder Stellenwechseln führen. Damit gewinnt das Betriebliche Gesundheitsmanagement an Bedeutung, einerseits aus wirtschaftlichen Gründen wie der Sicherung erfahrener Fachkräfte, andererseits aus Verantwortung für Chancengleichheit und soziale Nachhaltigkeit. Bisher ist jedoch kaum erforscht, wie Schweizer Unternehmen mit den Bedürfnissen betroffener Mitarbeiterinnen umgehen. Ziel der Arbeit war es deshalb einen Überblick über den aktuellen Umgang mit dem Thema zu schaffen und möglich zukünftige Massnahmen zu identifizieren. Die Forschungsfrage lautet:
Wie gehen Schweizer Unternehmen aus der Versicherungsbranche im Rahmen ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements mit den Bedürfnissen von Mitarbeiterinnen in der Menopause um, und welche Massnahmen werden zur Unterstützung eingesetzt oder geplant?
Methodik
Für die Untersuchung wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das bestehende Theorie und neue Erkenntnisse aus dem Material miteinander verbindet. Als Untersuchungsfeld diente die Schweizer Versicherungsbranche, da diese Unternehmen aufgrund ihrer Nähe zu Gesundheitsfragen vergleichsweise gut entwickelte BGM-Strukturen erwarten liessen. Geführt wurden acht halbstrukturierte Interviews mit Personen aus dem BGM oder mit HR-Verantwortlichen. Die anonymisierten Gespräche wurden anschliessend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring und Fenzl ausgewertet.
Ergebnisse und Fazit
Die Ergebnisse zeigen ein vielfältiges Bild. Die Menopause wurde meist nicht als eigenes Handlungsfeld behandelt, sondern grösseren Themen wie Frauengesundheit, Diversity und Inclusion oder lebensphasenbezogener Unterstützung zugeordnet. Bestehende Massnahmen beschränkten sich mehrheitlich auf Sensibilisierung, etwa Webinare oder Fachvorträge. Feste Anpassungen im Arbeitsalltag waren dagegen kaum verankert. Auffällig war ein gegenseitiges Warten, denn die Unternehmen warteten auf Rückmeldungen betroffener Mitarbeiterinnen, während diese scheinbar auf ein Signal des Unternehmens warteten. Erst wenn ein Unternehmen das Thema aktiv ansprach, wurden die Bedürfnisse sichtbar.
Die Arbeit kommt zum Schluss, dass Sensibilisierung ein wichtiger erster Schritt ist, um das Tabu zu brechen, allein aber nicht genügt. Nachhaltige Unterstützung braucht Führungskräfte, die das Thema aufgreifen können, sowie konkrete und individuell abgestimmte Massnahmen. Empfohlen wird deshalb ein dreistufiger Ansatz, der von der Sensibilisierung über die Befähigung der Führungskräfte bis zur Entwicklung einer unternehmensspezifischen Toolbox reicht. Der Umgang mit der Menopause am Arbeitsplatz ist damit nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern Ausdruck einer sozial nachhaltigen Unternehmensverantwortung.