Die Erklärungskraft des Fama-French 3-Fakorenmodell bei Renditen von ESG-Fonds und konventionellen Fonds
Nachhaltige Geldanlagen haben in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. ESG-Fonds, die bei der Auswahl ihrer Anlagen neben finanziellen Kriterien auch Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (ESG) berücksichtigen, verzeichnen weltweit ein starkes Wachstum. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die Renditen solcher Fonds durch klassische Kapitalmarktmodelle ebenso gut erklärt werden können wie die Renditen konventioneller Fonds. Während ESG-Fonds aufgrund ihrer Nachhaltigkeitskriterien eine andere Portfoliostruktur aufweisen können, wurden die zugrunde liegenden Kapitalmarktmodelle ursprünglich ohne Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten entwickelt.
Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Bachelorarbeit, ob sich die Erklärungskraft des Fama-French-Dreifaktorenmodells zwischen ESG-Fonds und konventionellen Fonds unterscheidet. Das Modell zählt zu den bekanntesten Ansätzen der Kapitalmarktforschung und erklärt Renditen anhand des allgemeinen Marktrisikos, der Unternehmensgrösse sowie des sogenannten Value-Effekts. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Kann das Fama-French-Dreifaktorenmodell die Renditen von ESG-Fonds genauso gut erklären wie jene von konventionellen Fonds?
Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurden zwei Fondsportfolios gebildet: ein ESG-Portfolio mit drei Fonds hoher Nachhaltigkeitsbewertung sowie ein Portfolio aus drei konventionellen Fonds. Die Untersuchung basiert auf monatlichen Renditedaten des Schweizer Aktienmarktes für den Zeitraum von 2017 bis 2024. Mithilfe einer multiplen linearen Regressionsanalyse wurde untersucht, in welchem Ausmass die Fondsrenditen durch die drei Faktoren des Fama-French-Modells erklärt werden können. Die benötigten Rendite- und Faktordaten wurden aus der LSEG Workspace Datenbank sowie der Kenneth R. French Data Library bezogen.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Marktfaktor bei beiden Fondsgruppen den mit Abstand wichtigsten Einfluss auf die Renditen ausübt. Sowohl bei den ESG-Fonds als auch bei den konventionellen Fonds konnte ausschliesslich dieser Faktor statistisch signifikant nachgewiesen werden. Die Faktoren Unternehmensgrösse und Value-Effekt leisteten hingegen keinen signifikanten Erklärungsbeitrag. Gleichzeitig zeigte sich, dass das Fama-French-Dreifaktorenmodell die Renditen der konventionellen Fonds besser erklären kann als jene der ESG-Fonds. Während bei den konventionellen Fonds rund 68 Prozent der Renditeschwankungen durch das Modell erklärt werden konnten, lag dieser Wert bei den ESG-Fonds bei rund 46 Prozent.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ESG-Fonds möglicherweise zusätzlichen Einflussgrössen unterliegen, die durch klassische Kapitalmarktfaktoren nicht vollständig erfasst werden. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass nachhaltige Fonds trotz ihrer besonderen Ausrichtung weiterhin stark von allgemeinen Marktbewegungen beeinflusst werden. Die Nachhaltigkeitsorientierung ersetzt somit die klassischen Marktmechanismen nicht, könnte diese jedoch um weitere Faktoren ergänzen.
Die Arbeit leistet einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über nachhaltige Geldanlagen und deren Einordnung in bestehende Kapitalmarktmodelle. Für Investoren und Fondsanbieter verdeutlichen die Ergebnisse, dass klassische Risikofaktoren auch bei ESG-Fonds eine wichtige Rolle spielen, die Renditeentwicklung nachhaltiger Fonds jedoch möglicherweise nicht vollständig durch traditionelle Modelle erklärt werden kann.
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass das Fama-French-Dreifaktorenmodell bei beiden Fondsgruppen grundsätzlich anwendbar ist, seine Erklärungskraft bei ESG-Fonds jedoch geringer ausfällt. Dies eröffnet Ansatzpunkte für zukünftige Forschung, beispielsweise durch die Berücksichtigung zusätzlicher ESG-spezifischer Faktoren oder die Anwendung erweiterter Kapitalmarktmodelle.