Der Einfluss KI-basierter Einflussnahme auf Abstimmungsprozesse in der Schweiz

Der Einfluss KI-basierter Einflussnahme auf Abstimmungsprozesse in der Schweiz

Generative KI ermöglicht die automatisierte Erstellung von Texten, Bildern und Videos, während Algorithmen und Social Bots politische Botschaften schneller und gezielter verbreiten können als je zuvor. Gleichzeitig gewinnen soziale Medien als Informationsquelle für politische Themen zunehmend an Bedeutung. Besonders für die Schweiz mit ihrer direkten Demokratie stellt sich deshalb die Frage, welchen Einfluss KI-gestützte Kommunikation auf die politische Meinungsbildung und Volksabstimmungen haben kann.

Vor diesem Hintergrund untersucht die Bachelorarbeit, welche Wirkungsmechanismen und Wirkungspotenziale KI-gestützte Formen politischer Einflussnahme im Kontext von Schweizer Volksabstimmungen aufweisen. Ziel war es, mögliche Risiken für demokratische Prozesse zu identifizieren und daraus Handlungsempfehlungen für Politik, Medien und Gesellschaft abzuleiten.

Methodik

Die Arbeit basiert auf einem qualitativen Forschungsdesign. Neben einer Literaturrecherche zu KI-gestützter politischer Kommunikation, Desinformation, Deepfakes und Social Bots wurden sechs leitfadengestützte Expert:inneninterviews durchgeführt. Befragt wurden Fachpersonen aus den Bereichen Forschung, Medien, Politik, Verwaltung und politische Kommunikation.

Die Interviews wurden anschliessend ausgewertet und mit den Erkenntnissen aus der Literatur verglichen. Dadurch konnten wissenschaftliche Befunde mit praktischen Erfahrungen verknüpft werden.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass künstliche Intelligenz bereits heute vielfältig für politische Kommunikation eingesetzt wird. Besonders verbreitet ist die Nutzung von Large Language Models zur Erstellung von politischen Botschaften, Werbeinhalten und Kampagnenmaterial. Gleichzeitig gewinnen KI-gestützte Social Bots an Bedeutung, die Inhalte automatisiert verbreiten und menschliche Kommunikation zunehmend glaubwürdig imitieren können.

Als zentrale Wirkungsmechanismen wurden Personalisierung, algorithmische Selektion und emotionale Aktivierung identifiziert. KI ermöglicht es, politische Botschaften gezielt auf einzelne Zielgruppen zuzuschneiden und dadurch deren Überzeugungskraft zu erhöhen. Gleichzeitig beeinflussen Algorithmen auf sozialen Medien, welche Inhalte sichtbar werden und welche Informationen hohe Reichweiten erzielen.

Besonders kritisch beurteilt werden KI-generierte Desinformation und Deepfakes. Diese können öffentliche Debatten beeinflussen und das Vertrauen in politische Institutionen, Medien und demokratische Prozesse schwächen. Die Expert:innen betonen jedoch, dass KI bestehende Formen politischer Beeinflussung vor allem verstärkt, anstatt völlig neue Mechanismen zu schaffen.

Für die Schweiz ergibt sich ein differenziertes Bild. Die direkte Demokratie kann durch regelmässige Abstimmungen anfälliger für Einflussversuche sein. Gleichzeitig verfügen die Schweiz und ihre Institutionen über verschiedene Resilienzfaktoren, darunter ein hohes Vertrauen in staatliche Institutionen, etablierte Informationskanäle und eine vergleichsweise starke politische Bildung.

Fazit

Die Arbeit kommt zum Schluss, dass KI-gestützte politische Kommunikation in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Die grösste Herausforderung liegt dabei weniger in der Manipulation einzelner Abstimmungen als in der langfristigen Beeinflussung von Informationsräumen und politischen Diskursen.

Um die Widerstandsfähigkeit der direkten Demokratie zu stärken, werden insbesondere die Förderung von Medien- und KI-Kompetenzen, die Unterstützung professioneller Medien sowie mehr Transparenz und Regulierung digitaler Plattformen als wichtige Handlungsfelder identifiziert. Dadurch können die Chancen neuer Technologien genutzt und gleichzeitig potenzielle Risiken für demokratische Prozesse begrenzt werden.