Analyse und Visualisierung digitalpolitischer Positionen von Schweizer Parteien
Die fortschreitende Digitalisierung prägt politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse zunehmend. Themen wie Datenschutz, künstliche Intelligenz, digitale Infrastruktur oder Plattformregulierung sind heute zentrale Bestandteile politischer Diskussionen. Trotz dieser Entwicklung sind die digitalpolitischen Positionen von Schweizer Parteien für Bürgerinnen und Bürger häufig nur schwer nachvollziehbar und vergleichbar. Bestehende Ansätze wie der Digitalisierungsmonitor 2023 der Berner Fachhochschule zeigten zwar Potenzial, wiesen jedoch Limitationen hinsichtlich des Aufwands und der Beteiligung auf.
Ziel der Arbeit
Im Zentrum dieser Bachelorarbeit steht die Forschungsfrage, wie sich digitalpolitische Positionen von Schweizer Parteien analysieren und verständlich visualisieren lassen. Ziel war es, einen Beitrag zur besseren Transparenz und Nachvollziehbarkeit digitalpolitischer Positionen in der Schweiz zu leisten.
Methoden
Als methodische Grundlage dient der Ansatz der Design Science Research (DSR) nach Hevner et al. (2004). Der Forschungsprozess gliederte sich in vier Phasen: Problemidentifikation, Datenerhebung, Artefaktentwicklung und Evaluation. Für die Analyse wurden drei zentrale Datenquellen herangezogen: Parlamentsdaten über die Plattform OpenParl, offizielle Parteiprogramme der sechs grössten Schweizer Parteien sowie der Digitalisierungsmonitor 2023 der Berner Fachhochschule. Mittels qualitativer Textanalyse wurden die Positionen der Parteien in fünf Themenbereiche unterteilt: Datenschutz, KI-Regulierung, E-Government, digitale Infrastruktur sowie Plattformregulierung.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Parteien. Linke Parteien wie die SP und die Grünen setzen stärker auf Datenschutz, staatliche Regulierung und digitale Teilhabe. SP und Grüne fordern beispielsweise klare gesetzliche Rahmenbedingungen für KI-Systeme und eine strikte Plattformregulierung. Bürgerliche Parteien wie FDP und SVP betonen hingegen wirtschaftliche Chancen, Innovation und Eigenverantwortung und lehnen eine Überregulierung digitaler Bereiche ab. GLP und Die Mitte nehmen in mehreren Themenbereichen eine vermittelnde Position ein und befürworten Innovation bei gleichzeitiger Regulierung möglicher Risiken.
Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde der interaktive Prototyp DigiCheck in Figma entwickelt. Das Tool ermöglicht eine verständliche Visualisierung digitalpolitischer Positionen und umfasst eine Themenübersicht, eine Parteienauswahl, verschiedene Vergleichsansichten sowie einen konzeptionellen KI-Assistenten. Das Nutzertesting mit fünf Testpersonen aus unterschiedlichen Altersgruppen zeigte, dass der Prototyp überwiegend als verständlich und benutzerfreundlich wahrgenommen wurde. Besonders positiv bewertet wurden die klare Navigationsstruktur sowie die übersichtliche Darstellung der Parteipositionen.
Die Arbeit zeigt, dass eine systematische Erfassung und Visualisierung digitalpolitischer Positionen möglich ist und einen wertvollen Beitrag zur politischen Transparenz leisten kann. Dies gilt vor allem mit Blick auf den Digitalisierungsmonitor 2027.
Den interaktiven Prototyp DigiCheck kann hier direkt ausprobiert werden: https://www.figma.com/proto/om9fydC8PONPclzpG6YFwE/WBTH?node-id=31-1228&starting-point-node-id=31%3A1228&t=1GdrAJz3XnzXvRMU-1