Transformation der Rolle von Business Analyst*innen durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz - Eine Fallstudie bei der AKROS AG

Transformation der Rolle von Business Analyst*innen durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz - Eine Fallstudie bei der AKROS AG
Photo by Domenico Loia / Unsplash

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst im beruflichen Alltag angekommen. Besonders betroffen sind Berufsrollen, die datengetrieben arbeiten und zwischen Fachbereichen und IT vermitteln. Eine dieser Rollen ist die von Business Analyst*innen.
Business Analyst*innen fungieren als Bindeglied zwischen fachlichen Anforderungen und technischen Lösungen. Sie erheben Anforderungen, analysieren Geschäftsprozesse, strukturieren Informationen und unterstützen Entscheidungen. Genau diese Tätigkeiten können zunehmend durch KI-Systeme unterstützt werden.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was der Einsatz von KI für die Rolle von Business Analyst*innen in Bezug auf Aufgaben, Verantwortungen und die dafür relevanten Kompetenzen bedeutet. Diese Bachelorarbeit befasst sich im Kontext des Schweizer IT-Dienstleistungsunternehmens AKROS AG (AKROS) mit dieser Frage. Das Unternehmen sammelte bereits erste praktische Erfahrungen mit KI im Projektalltag und bietet damit einen realistischen Rahmen, um die Veränderungen einer konkreten Berufsrolle zu untersuchen.


Zielsetzung und Forschungsfrage

Ziel dieser Bachelorarbeit war es, die Auswirkungen des Einsatzes von KI auf die Rolle von Business Analyst*innen bei der AKROS zu analysieren. Dazu wurde untersucht:

  • wie sich die Aufgabenbereiche von Business Analyst*innen verändern,
  • ob und wie sich ihre Verantwortlichkeiten verschieben,
  • welche Kompetenzen für die Rolle künftig wichtiger werden und welche an Bedeutung verlieren
  • und welche Erfolgsfaktoren dazu beitragen, diesen Wandel erfolgreich zu bewältigen.

Basierend auf diesen Ergebnissen wurden zudem praxisnahe Handlungsempfehlungen für das Unternehmen abgeleitet.
Die zentrale Forschungsfrage der Arbeit lautet wie folgt: Wie verändert der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Rolle von Business Analyst*innen bei der AKROS AG? Im Zentrum stand dabei bewusst nicht die technische Implementierung von KI, sondern die Veränderung der Berufsrolle aus organisationaler Perspektive.


Methodik

Die Untersuchung folgte einem qualitativen, explorativen Forschungsdesign in Form einer Fallstudie. Um sowohl theoretische als auch praktische Perspektiven einzubeziehen, wurde ein Methodenmix gewählt. Dieser besteht zum einen aus einer Literaturrecherche zu KI, Berufsrollen und Business Analyse sowie der Analyse interner Dokumente der AKROS. Andererseits wurden zehn leitfadengestützte Interviews geführt. Befragt wurden fünf Business Analyst*innen sowie fünf Personen in angrenzenden Rollen (z. B. Projektleiter, Product Owner, Scrum Master). Zusätzlich wurden sowohl interne als auch externe Personen befragt, um unterschiedliche Sichtweisen abzudecken und Verzerrungen zu reduzieren.
Die Interviews dauerten zwischen 40 und 60 Minuten und wurden anschliessend mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Aussagen wurden vier zentralen Kategorien zugeordnet:

  • Veränderungen der Aufgaben
  • Veränderungen der Verantwortlichkeiten
  • Veränderungen der Kompetenzanforderungen
  • Erfolgsfaktoren und organisationale Unterstützung

Dieses Vorgehen eignet sich besonders gut, da es um subjektive Wahrnehmungen, Erfahrungen und Einschätzungen ging.


Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Rolle von Business Analyst*innen nicht ersetzt, sondern gezielt weiterentwickelt.

Veränderungen der Aufgaben
KI unterstützt vor allem wiederkehrende und dokumentationslastige Tätigkeiten wie das Schreiben von Anforderungen, die Analyse und Strukturierung von Dokumenten, die Aufbereitung grosser Informationsmengen sowie die Erstellung von Testfällen. Die Unterstützung durch KI bezieht sich also primär auf generative KI.
Gleichzeitig bleiben zentrale Aufgaben weiterhin beim Menschen. Dazu zählen insbesondere das Treffen von Entscheidungen, das Stakeholder-Management sowie die Einordnung von Informationen in den jeweiligen Projektkontext. Auch die Qualitätsprüfung von KI-Ergebnissen wird als unverzichtbar angesehen. KI kann Vorschläge liefern und Arbeitsschritte beschleunigen, verfügt jedoch nicht über Kontextverständnis oder Verantwortungsfähigkeit.

Veränderungen der Verantwortlichkeiten
Ein zentrales Ergebnis ist, dass Verantwortung nicht an KI delegiert werden kann. Die Verantwortung für Richtigkeit, Nachvollziehbarkeit und Konsequenzen bleibt stets beim Menschen.
Gleichzeitig entstehen neue oder erweiterte Verantwortlichkeiten, insbesondere bei der Qualitätssicherung von KI-generierten Inhalten und im Bereich Testing. Business Analyst*innen müssen KI-Ergebnisse prüfen, bewerten und in den fachlichen Kontext einordnen. Die Rolle verschiebt sich damit teilweise von einer ausführenden hin zu einer stärker steuernden und überwachenden Funktion.
Insgesamt bleibt die Verantwortung klar bei den Business Analyst*innen, KI ist ein unterstützendes Werkzeug.

Veränderungen der Kompetenzanforderungen
Auch die für die Rolle erforderlichen Kompetenzen verschieben sich. An Bedeutung gewinnen vor allem kritisches Denken, Kontextverständnis und der Umgang mit KI. Dazu gehört insbesondere die Toolauswahl, das Prompting und die Bewertung von KI-Ergebnissen. Teilweise werden auch Programmierkenntnisse als künftig relevanter eingeschätzt.
Gleichzeitig verlieren bestimmte operative Kompetenzen an Relevanz, etwa das manuelle Schreiben längerer Texte, Fremdsprachenkenntnisse und Modellierungssyntax wie BPMN. Diese Aufgaben werden durch KI zunehmend erleichtert oder automatisiert.

Erfolgsfaktoren für den Wandel
Der erfolgreiche Wandel hängt nicht allein von der Technologie ab, sondern vom Zusammenspiel individueller und organisationaler Faktoren. Auf individueller Ebene sind vor allem Offenheit, Lernbereitschaft und Experimentierfreude entscheidend. Auf organisationaler Ebene spielen Schulungen, Austauschformate, klare Leitlinien sowie die Verfügbarkeit von Zeit und geeigneten Tools eine zentrale Rolle. Diese Rahmenbedingungen helfen, Unsicherheiten abzubauen und den verantwortungsvollen Einsatz von KI zu ermöglichen.


Fazit

Die Untersuchung zeigt, dass der Einsatz von KI die Rolle von Business Analyst*innen bei der AKROS nicht ersetzt, sondern weiterentwickelt.
KI unterstützt vor allem bei repetitiven und dokumentationslastigen Aufgaben, während komplexere Tätigkeiten weiterhin menschliche Expertise erfordern. Die Verantwortung bleibt beim Menschen, wird aber durch neue Verantwortlichkeiten wie die Qualitätssicherung von KI-generierten Ergebnissen erweitert. Gleichzeitig verschieben sich die erforderlichen Kompetenzen in Richtung kritisches Denken, Kontextverständnis und Umgang mit KI.