Digitale Transformation in kleinen und mittleren Gemeinden

Digitale Transformation in kleinen und mittleren Gemeinden
Quelle: Eigene Darstellung (KI-generiert)

Empirische Untersuchung zu Stand, fördernden und hemmenden Faktoren in kleinen und mittleren Gemeinden des Kanton Bern

Die digitale Transformation verändert die Erwartungen an kommunale Verwaltungen: Leistungen sollen zeit- und ortsunabhängig, sicher und nutzerorientiert verfügbar sein. Gerade kleine und mittlere Gemeinden stehen dabei unter besonderem Druck – begrenzte Ressourcen, operatives Tagesgeschäft sowie föderale Zuständigkeiten und uneinheitliche Standards erschweren die Umsetzung. Gleichzeitig entstehen Abhängigkeiten in arbeitsteiligen IT-Ökosystemen, die zwar Betriebssicherheit erhöhen, aber Handlungsspielräume einschränken können.

Zielsetzung

Ziel der Arbeit ist es, den aktuellen Stand der digitalen Transformation in kleinen und mittleren Gemeinden im Kanton Bern systematisch einzuordnen und fördernde sowie hemmende Einflussfaktoren zu identifizieren. Im Fokus stehen drei Forschungsfragen:
(1) Wie ist der aktuelle Stand der digitalen Transformation?
(2) Welche Faktoren fördern den Fortschritt?
(3) Welche Faktoren hemmen die Weiterentwicklung?

Methodisches Vorgehen

Die Untersuchung folgt einem qualitativen, explorativen Forschungsdesign. Dafür wurden sechs Gemeinden mit bewusst kontrastierenden digitalen Ausgangslagen sowie externe Expertinnen und Experten einbezogen. Die Datenerhebung erfolgte über neun leitfadengestützte, semi-strukturierte Experteninterviews. Die Auswertung wurde mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring & Fenzl (unter Einsatz von MAXQDA) durchgeführt und entlang eines deduktiv-induktiven Kategoriensystems strukturiert, das sich am erweiterten TOE-Framework orientiert.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeichnen ein heterogenes, fragmentiertes und überwiegend schrittweises Transformationsbild. Viele Gemeinden bewegen sich vor allem auf den Reifegradstufen Interaktion und Transaktion; integrierte, medienbruchfreie End-to-End-Prozesse bleiben die Ausnahme. Fortschritte zeigen sich besonders bei internen Verwaltungsprozessen (z. B. Aktenführung, Ratsarbeit, Geschäftsverwaltung), während in Bau-, Infrastruktur- und teilweise Finanzprozessen papierbasierte oder hybride Abläufe fortbestehen.

Förderlich wirken insbesondere organisationale und governancebezogene Faktoren: eine klare Vision bzw. (auch schlanke) Digitalstrategie, definierte Rollen/Zuständigkeiten sowie realistisches Ressourcen- und Kompetenzmanagement. Als wirksam zeigt sich zudem ein pragmatischer Best-Practice-Transfer zwischen Gemeinden (Lernen durch Adaptieren erprobter Lösungen).

Hemmnisse betreffen vor allem Ressourcenengpässe, heterogene digitale Kompetenzen, die Abhängigkeit von Schlüsselpersonen, rechtlich-regulatorische Unsicherheiten sowie Vendor-Lock-ins, Schnittstellenprobleme und lange Lieferfristen in externen IT-Ökosystemen. Zusätzlich erschwert ein digitaler Graben die Nutzung auf Bevölkerungsebene, weshalb analoge Kanäle parallel weiterbetrieben werden müssen.

Fazit

Die Arbeit zeigt: Digitale Transformation in kleinen und mittleren Gemeinden scheitert weniger am Willen, sondern häufig an strukturellen, organisatorischen und governancebezogenen Rahmenbedingungen. Entscheidend ist, Digitalisierung konsequent als Führungs- und Steuerungsaufgabe zu verankern – inkl. Priorisierung nach Nutzen, klaren Zuständigkeiten, Kompetenzaufbau sowie Change-Management und Kommunikation. Ebenso zentral sind Kooperation und Standardisierung, um skalierbare und rechtssichere Lösungen möglich zu machen.