Digitale Transformation in kleinen und mittleren Gemeinden im Kanton Bern – Zwischen Strategie, Organisation und Akzeptanz

Digitale Transformation in kleinen und mittleren Gemeinden im Kanton Bern – Zwischen Strategie, Organisation und Akzeptanz

Die digitale Transformation stellt öffentliche Verwaltungen zunehmend vor neue Herausforderungen. Auch kleine und mittlere Gemeinden sehen sich mit steigenden Erwartungen der Bevölkerung an digitale Dienstleistungen sowie effizientere Verwaltungsprozesse konfrontiert. Gleichzeitig unterscheiden sich Gemeinden deutlich hinsichtlich ihrer Ressourcen, organisatorischen Strukturen und ihres Digitalisierungsstands. Digitalisierung wird dabei häufig primär als technologische Aufgabe verstanden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass insbesondere organisationale und strukturelle Faktoren entscheidend für den Erfolg digitaler Entwicklungen sind.

Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Bachelorarbeit den Stand der digitalen Transformation in kleinen und mittleren Gemeinden im Kanton Bern. Ziel der Arbeit war es, Unterschiede im digitalen Entwicklungsstand zu analysieren sowie Faktoren zu identifizieren, welche den digitalen Fortschritt fördern oder hemmen. Die zentrale Forschungsfrage lautete: Wie unterschiedlich ist der Stand der digitalen Transformation in kleinen und mittleren Gemeinden im Kanton Bern, und welche Faktoren beeinflussen deren digitale Weiterentwicklung?

Um vertiefte Einblicke in die Verwaltungspraxis zu gewinnen, wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Insgesamt wurden zehn leitfadengestützte Interviews durchgeführt, darunter Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus neun Gemeinden sowie ein ergänzendes Experteninterview. Die Interviews fanden online statt und wurden anschliessend mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Als theoretische Grundlage dienten das Technology Acceptance Model (TAM), welches die Akzeptanz digitaler Technologien auf individueller Ebene betrachtet, sowie das Technology–Organization–Environment Framework (TOE), das technologische, organisationale und externe Einflussfaktoren berücksichtigt. Durch die Kombination beider Modelle konnten sowohl individuelle Wahrnehmungen als auch strukturelle Rahmenbedingungen analysiert werden.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass der Fortschritt der digitalen Transformation weniger von der verfügbaren Technologie abhängt als häufig angenommen. Vielmehr spielen organisationale Faktoren eine zentrale Rolle. Förderlich wirken insbesondere ein klar wahrgenommener Nutzen digitaler Lösungen, positive Nutzungserfahrungen sowie unterstützende Schulungsangebote. Ebenso entscheidend sind ein aktiver Rückhalt durch Führung und politische Entscheidungsträger, klar definierte Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung sowie der Austausch mit anderen Gemeinden und externen Netzwerken. Demgegenüber wirken begrenzte personelle und zeitliche Ressourcen, Medienbrüche zwischen Systemen, fehlende digitale Kompetenzen sowie unklare Verantwortlichkeiten hemmend auf die digitale Entwicklung. Zusätzlich beeinflussen kantonale Vorgaben und Abhängigkeiten von externen Dienstleistern die Handlungsspielräume vieler Gemeinden.

Ein zentrales Ergebnis der Arbeit besteht darin, dass digitale Transformation in Gemeinden primär als organisationaler Veränderungsprozess verstanden werden muss und nicht als reines IT-Projekt. Die Akzeptanz digitaler Lösungen hängt stark von bestehenden Strukturen, Prozessen und kulturellen Rahmenbedingungen ab. Technologie bildet dabei lediglich die Grundlage, während Führung, Organisation und Zusammenarbeit über den tatsächlichen Fortschritt entscheiden.

Auf Basis der empirischen Ergebnisse wurden mehrere Handlungsempfehlungen abgeleitet. Gemeinden profitieren insbesondere davon, digitale Transformation strategisch zu verankern und langfristig auszurichten. Ebenso wichtig ist die aktive Einbindung von Führung und Politik, da digitale Entwicklung zunehmend eine Führungsaufgabe darstellt. Klare Zuständigkeiten und Governance-Strukturen können Projekte beschleunigen und Unsicherheiten reduzieren. Darüber hinaus zeigt sich, dass die frühzeitige Einbindung der Mitarbeitenden wesentlich zur Akzeptanz neuer Lösungen beiträgt. Der gezielte Aufbau digitaler Kompetenzen sowie die verstärkte interkommunale Zusammenarbeit stellen weitere zentrale Erfolgsfaktoren dar, um Ressourcen effizient zu nutzen und voneinander zu lernen.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass erfolgreiche digitale Transformation dann gelingt, wenn Mensch, Organisation und institutionelles Umfeld gemeinsam berücksichtigt werden. Gemeinden, die Digitalisierung strategisch angehen und organisatorisch verankern, schaffen langfristig bessere Voraussetzungen für moderne, effiziente und bürgernahe Verwaltungsleistungen.

Michelle Rolla
BSc Betriebsökonomie – Vertiefung Digital Government
Berner Fachhochschule (BFH)